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Newsletter von zwischen:zeit - 30.07.26

Ein paar Sommer

Millionen Jahre waren,
ehe es mich gab.

Jahrmillionen Jahre werden vielleicht
nach mir sein.

Irgendwo in ihrer Mitte
sind ein paar Sommer,
in denen für mich Tag ist
auf dieser Erde.

Für diese Spanne Zeit
danke ich dir.

               Jörg Zink (1922- 2016)


Liebe Interessierte an den Angeboten der zwischen:zeit,

vor kurzem begegnete mir dieses Gedicht im Gottesdienst in der Augustinerkirche. Seitdem lässt es mich nicht mehr los. Immer wieder bin ich darüber mit Menschen ins Gespräch gekommen. Es sind nur wenige Zeilen, und doch öffnen sie einen weiten Gedankenraum.

Jörg Zink, der evangelische Theologe und Publizist, hat diese Zeilen schlicht und unspektakulär geschrieben. Sie nehmen die Brüchigkeit und Endlichkeit des Lebens in den Blick. Und doch strahlen diese Zeilen für mich etwas Hoffnungsvolles und Zuversichtliches aus. Das eigene Leben erscheint darin nicht klein oder bedeutungslos, sondern kostbar.

Mich berührt besonders der Gedanke, dass zwischen einer unvorstellbar langen Vergangenheit und einer unvorstellbar langen Zukunft nur „ein paar Sommer“ liegen. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Ein paar Jahre, in denen für uns „Tag ist auf dieser Erde“. Das klingt zunächst nüchtern. Und doch liegt darin eine große Dankbarkeit. Nicht alles muss festgehalten werden. Nicht alles muss gelingen. Aber jeder erfüllte Augenblick darf als Geschenk wahrgenommen werden. Darin liegt für mich etwas Tröstliches. Das Leben muss nicht unendlich sein, um kostbar zu sein. Vielleicht liegt seine Würde gerade in seiner Einmaligkeit. Jeder erfüllte Augenblick, jede Begegnung, jedes Lachen, jedes Staunen, jeder Moment, an dem ich bewusst wahrnehme, dass ich lebe, ist nicht selbstverständlich. Es ist Geschenk.

Der letzte Satz setzt für mich dann noch einen besonderen Fokus: „Für diese Spanne Zeit danke ich dir.“ Die Dankbarkeit richtet sich an ein Gegenüber, an ein „Du“. Dieses „Du“ lässt Jörg Zink bewusst offen. Gerade darin liegt für mich die Schönheit dieser Zeilen. Sie laden dazu ein, dieses Gegenüber selbst zu entdecken – vielleicht auch in Gott.

Vielleicht beginnt genau dort eine andere Haltung zum Leben. Der Blick richtet sich nicht zuerst auf das, was noch fehlt oder noch erreicht werden muss. Er richtet sich auf das, was schon da ist. Auf einen erfüllten Augenblick. Auf eine Begegnung. Auf einen erfrischenden Morgenwind. Auf das Lachen eines Menschen. Auf einen Sommerabend, der unverhofft länger wird als geplant. Nichts davon ist selbstverständlich.  Alles kann zu einem Grund der Dankbarkeit werden.

Allen, die noch mitten in Projekten, im Beruf oder in familiären Verpflichtungen stehen, wünsche ich Kraft, Gelassenheit und kleine Freiräume zum Durchatmen. Und allen, die Urlaub haben, wünsche ich eine erfüllte Zeit der Erholung, der Muße und der Leichtigkeit. Vielleicht findet sich in den kommenden Wochen auch der eine oder andere Augenblick, der einfach nur da sein darf. 

Das neue Programm der zwischen:zeit für Herbst und Winter ist inzwischen fertig und online oder in Druckform erhältlich. Vielleicht ist ja etwas dabei, das Dich anspricht. Eine Gelegenheit, den Alltag für einen Moment zu unterbrechen und Raum zu finden für Begegnung, Inspiration und Stille. Gib gerne diese Info an mögliche Interessierte weiter. Und wer künftig den monatlichen Newsletter mit Impulsen und aktuellen Angeboten (ähnlich wie diese E-Mail) erhalten möchte, mag mir einfach Bescheid geben. 

Ich wünsche dir einen guten Sommer mit erfüllten Augenblicken und einem dankbaren Blick auf die Zeit, die dir geschenkt ist. Vielleicht wächst daraus immer wieder dieses einfache Gebet: „Für diese Spanne Zeit danke ich dir.“ 

Viele herzliche Grüße 

Michael Ottl
KHG-Referent für zwischen:zeit

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