Mattina
M’illumino
d’immenso
Giuseppe Ungaretti, 1917
Morgen
Ich erleuchte mich
durch Unermeßliches
Übersetzung: Ingeborg Bachmann
Liebe Interessierte an den Angeboten der zwischen:zeit,
gerade komme ich aus den Bergen zurück. Einige Tage war ich im Val Codera unterwegs, einem abgelegenen Bergtal in Italien, in dem mehrere kleine Dörfer bis heute keine Straßenanbindung haben. Wer dort lebt, ist zu Fuß unterwegs. Alte Wege führen durch die Dörfer und weiter hinauf ins Gebirge. Manches wirkt wie aus einer anderen Zeit.
Von dort ging es weiter ins Gebirge über alte Hirtenpfade und auf Gipfel über 3000 Meter. Stundenlang waren wir unterwegs, manchmal den ganzen Tag, ohne einem anderen Menschen zu begegnen.
Am Morgen lag eine besondere Stille über der Landschaft. Die Luft war kühl und frisch, das Licht wurde langsam heller, irgendwo rauschte ein Bach. Nichts musste geschehen. Der Tag lag offen einfach da.
Vielleicht waren es gerade diese einfachen Momente, die mir in den vergangenen Tagen besonders kostbar erschienen. Auf einer Berghütte wurde eine einfache Mahlzeit auf den Tisch gestellt. Man saß zusammen, aß, trank, redete ein wenig. Es brauchte nicht viel. Da war dieses Gefühl, ganz da zu sein. Bei sich. In der Landschaft. Im Augenblick. Momente von Daseinsfreude und Dankbarkeit.
Und immer wieder begleitete mich in Gedanken das kleine Gedicht von Giuseppe Ungaretti:
M’illumino
d’immenso
„Ich erleuchte mich / durch Unermeßliches“ übersetzt Ingeborg Bachmann diese beiden Zeilen. Nur vier Wörter umfasst das italienische Original. Und doch öffnet sich darin ein erstaunlich weiter Raum.
Ungaretti schrieb diese Zeilen 1917, mitten im Ersten Weltkrieg. Vielleicht liegt gerade darin etwas Überraschendes: Aus einer Zeit großer Erschütterung kommt ein Gedicht, das von einem hellen Morgen und der Erfahrung des Unermesslichen spricht. Ein Mensch steht in einem Augenblick des Lichts. Etwas geschieht in ihm. Mehr braucht es für dieses Gedicht zunächst nicht.
Mich erinnert das an die Morgen in den Bergen. An diese ersten Minuten, in denen die Welt noch nicht mit Anforderungen gefüllt ist. An das Licht, das über einen Berghang wandert. An den weiten Blick über die Täler und Gipfel. An einen Atemzug frischer Luft. An den Moment, in dem die eigene Aufmerksamkeit nicht schon beim nächsten Schritt ist, sondern ganz bei dem, was gerade geschieht.
Vielleicht meint „Unermeßliches“ genau diese Erfahrung: für einen Augenblick die eigene Begrenztheit zu spüren und sich zugleich in etwas Größerem aufgehoben zu wissen. Die Welt wird dadurch nicht größer als sie ist. Aber der eigene Blick wird weiter. Und vielleicht wird in solchen Augenblicken auch etwas von der Verbundenheit spürbar mit mir selbst, mit der Landschaft, mit der Welt und mit dem Leben, das mich umgibt. Aus dieser Verbundenheit kann etwas wachsen, das sich nur schwer beschreiben lässt: Freude darüber, da zu sein, und Dankbarkeit für diesen einen, unwiederholbaren Augenblick.
Mit dieser Erfahrung im Gepäck freue ich mich auch darauf, dass die Angebote der zwischen:zeit nach der Sommerpause wieder beginnen. Und dazu lade ich dich ganz herzlich ein. Vielleicht ist bei den kommenden Veranstaltungen die eine oder andere Gelegenheit dabei, für einen Moment aus dem Alltag herauszutreten, innezuhalten, Menschen zu begegnen und den eigenen Blick wieder etwas weiter werden zu lassen.
Ich wünsche dir, dass sich in den kommenden Wochen immer wieder solche Augenblicke finden: Stille, Weite, ein tiefer Atemzug. Momente, in denen spürbar wird: Ich bin hier. Jetzt. Und das Leben ist da. Vielleicht braucht es gar nicht mehr, um sich von etwas Unermeßlichem berühren zu lassen.
Herzliche Grüße
Michael Ottl
KHG-Referent für zwischen:zeit
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Aktuelle Veranstaltungen der zwischen:zeit:
Meditation
Sich sammeln in der Stille
Diese Meditationsstunde lädt dazu ein, innezuhalten und ganz bewusst im gegenwärtigen Moment zu verweilen. Diese Form der spirituellen Übung stärkt innere Ruhe, fördert Gelassenheit und öffnet den Raum für eine tiefere Wahrnehmung des eigenen Lebens – und für die Erfahrung Gottes in der Stille. Die Stunde beginnt mit einer kurzen Körperübung zur Sammlung, dann folgen zwei Meditationseinheiten in Stille à 20
Minuten, dazwischen eine Gehmeditation.
jeden Montag, 19.00 - 20.00 Uhr (Einstieg jederzeit möglich)
Erste Meditation nach der Sommerpause am Mo, 14. September
Ort: Thomas-Morus-Kapelle der Kath. Hochschulgemeinde
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Moonlightmass mit Jazz
Ein abendlicher Gottesdienst zum Innehalten und Auftanken
Am Abend des Sonntag lädt die Moonlight Mass mit Jazz zu einer besonderen Stunde ein: zur Ruhe kommen, die Gedanken sammeln, sich neu verorten und Kraft schöpfen für die kommende Woche. Die Feier – im Wechsel als Eucharistie- oder Wort-Gottes-Feier gestaltet – in meditativer Atmosphäre ist getragen von Stille, Kerzenschein und jazzigen Klängen. Spirituelle Impulse, sorgfältig ausgewählte Texte und live improvisierte Musik verweben sich zu einer Liturgie der besonderen Art – reduziert, klar, offen für das, was trägt.
jeden Sonntag, 21.00 - 22.00 Uhr
Erste Moonlightmass nach der Sommerpause am So, 20. September
Ort: Augustinerkirche
In Kooperation mit der Kath. Hochschulgemeinde und dem Augustinerkloster
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AbendStille
Mit Körper und Geist zur Ruhe kommen
Am Ende der Arbeitswoche einen Moment bewusst innehalten und mit einfachen Achtsamkeitsübungen und Meditation ganz bei sich selbst ankommen. In ruhiger Atmosphäre können Körper und Geist
entspannen – ganz ohne Vorkenntnisse. Eine wertvolle Auszeit, um Kraft zu tanken und sich auf das Wochenende einzustimmen.
Fr, 18. September 2026, 19.00 bis 21.00 Uhr
Ort: Thomas-Morus-Kapelle der Kath. Hochschulgemeinde, Hofstallstraße 4
Leitung: Michael Ottl
Ohne Anmeldung
In Kooperation mit der Kath. Hochschulgemeinde
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Treff für Frauen in Führungspositionen
Sich austauschen, inspirieren und vernetzen
Führung bedeutet gestalten, entscheiden, Verantwortung tragen – und das oft unter widersprüchlichen Erwartungen. Dieser Treff bietet Frauen in Leitungsfunktionen einen geschützten Raum, um berufliche Erfahrungen zu teilen, Herausforderungen zu reflektieren und Impulse für die persönliche Weiterentwicklung zu gewinnen. In vertrauensvoller Atmosphäre geht es um Fragen der eigenen Rolle, den Umgang mit Erwartungen und um die Suche nach einem stimmigen Kurs im Beruf und im Leben.
Ein Abend für alle, die in Führungspositionen stehen und Austausch mit anderen Frauen in ähnlicher Verantwortung schätzen.
Di, 22. September 2026, 20.00 Uhr
Ansprechpartnerin: Cornelia Hofmann
Kontakt: fraueninfuehrungsposition@khg-wuerzburg.de
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Für junge Akademiker*innen
DenkBar – Gespräche, die weitergehen
Begegnungsforum für junge Erwachsene
Du hast Lust auf gute Gespräche jenseits von Small Talk und Filterblasen? Bei der DenkBar kommen junge Menschen (bis ca. 35 Jahre) mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen zusammen, um in entspannter Runde über das nachzudenken, was uns heute bewegt: aktuelle gesellschaftliche Themen, ethische Streitfragen, Spiritualität, Zukunft und die kleinen wie großen Fragen, die das Leben gerade stellt.
Di, 22. September 2026, 20.00 bis 22.00 Uhr
Ort: Kath. Hochschulgemeinde, Hofstallstraße 4
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Erlesen: Kleine Philosophie der Begegnung
Sich von einem Buch inspirieren lassen
Über mehrere Wochen lassen wir uns von einem Buch begleiten. Wir lesen, tauschen Gedanken und Erfahrungen aus und entdecken gemeinsam neue Perspektiven auf die großen Fragen des Lebens. Gute Bücher geben keine fertigen Antworten. Sie schärfen den Blick, eröffnen neue Deutungen und werden zu Gesprächspartnern für den eigenen Alltag. In seinem Buch „Kleine Philosophie der Begegnung“ (2022; 256
Seiten) geht der französische Philosoph Charles Pépin (*1973) der Frage nach, wie Begegnungen unser Leben prägen. Anregend und gut verständlich zeigt er, dass der Mensch erst in der Begegnung mit anderen und mit der Welt zu sich selbst findet. Ein Buch, das dazu einlädt, die eigene Lebenserfahrung mit neuen Augen zu betrachten.
Mo, 05./12./ 19./ 26. Oktober 2026, 20.15 bis 21.30 Uhr
Teilnahme an allen Abenden erwünscht
Ort: Kath. Hochschulgemeinde, Hofstallstraße 4
Leitung: Michael Ottl
Anmeldung bis 29. September 2026
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Pilgertag im Taubertal
Rauskommen. Durchatmen. Weitergehen.
Manchmal tut es gut, einfach loszugehen. Raus aus dem Alltag, rein in die herbstliche Landschaft des
Gollachtals. Auf einer ca. 12 km langen Route sind wir von Aub zur Kunigundenkapelle unterwegs – zu Fuß, in Stille, mit offenen Sinnen. Spirituelle Impulse und Achtsamkeitsübungen begleiten den Weg und laden dazu ein, im Gehen mehr bei sich selbst anzukommen und sich selbst wieder neu auszurichten.
Sa, 10. Oktober 2026, 9.00 bis ca. 17.00 Uhr
Leitung: Michael Ottl
Kosten: € 10,- (Fahrtkostenbeteiligung )
Anmeldung bis 01. Oktober 2026
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Für junge Akademiker*innen
nach:klang
Austausch nach dem KHG-Gottesdienst
Der Gottesdienst ist vorbei und manches klingt noch nach: ein Satz aus der Predigt, ein Bild aus den biblischen Texten, eine Frage, die geblieben ist, oder ein Gedanke, der mich angesprochen hat. Wir nehmen uns Zeit, genau dem nachzugehen und darüber ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und Gedanken zu vertiefen – offen, persönlich, ohne theologisches Vorwissen oder fertige Antworten. Zum Ankommen gibt es eine kleine Stärkung, danach ist Zeit zum Austauschen, Nachfragen und Reflektieren.
So, 11. Oktober 2026, 20.00 bis ca. 21.30 Uhr
Ort: Kath. Hochschulgemeinde, Hofstallstraße 4
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Dipl. Theologe, KHG-Referent für zwischen:zeit
KHG - Kath. Hochschulgemeinde
Hofstallstr. 4 - 97070 Würzburg
0931-3545316
michael.ottl@bistum-wuerzburg.de
www.zwischenzeit.bistum-wuerzburg.de/
